Der Weltenwanderer auf einem Schiff in der Mitte des Atlantik
Gregor auf einem Trek durch Feuerland
Dusky Sound Neuseeland
Glacier Grey, Torres del Paine Nationalpark, Patgonien
Hirtenmädchen im Hochland von Ecuador
Inkastrasse Cordillera Huyhuash, Peru
Gregor auf dem Jakobsweg in Spanien
Königspinguine in Feuerland
Machu Picchu
Treehugger in Patagonien
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Der Weltenwanderer und ein Mittagessen bei Nomad Earth

Kurz nach einer sechsmonatigen Patagonienreise besuchte uns Gregor Sieböck. Wir tauschten uns über falsche Wertigkeiten und Ideen für ein einfaches Leben aus.

von

Staudammbau in Patagonien, Südamerika

Woher Gregor über die Turbo-Lachse in Chile so genau Bescheid weiß? Auf seiner letzten 6-monatigen Reise streifte er durch den äußersten Süden des amerikanischen Kontinents: Patagonien. Eine der wenigen vom Menschen noch kaum berührten Regionen, die politisch zu fast gleichen Teilen zu Argentinien wie Chile gehört. Geht es nach Großinvestoren wie der UniCredit (die Muttergesellschaft der Bank Austria) und einem Konsortium aus italienisch/spanischen Energieriesen, sollen in Patagonien schon bald riesige Staudämme das Landschaftsbild verändern."

 

Wasserkraft ist doch gut, hört man viele jetzt schon fast sagen. Stimmt grundsätzlich, aber neue Kraftwerke zu bauen kommt auch nur einer Symptombekämpfung gleich, argumentiert Gregor. "Man sollte sich eher über drastische Maßnahmen zur Reduktion des Energieverbrauchs überlegen, anstatt dem steigenden Energieverbrauch mit immer neuen Kraftwerken entgegenzuwirken. Effizienz und Reduktion passen aber leider nicht in das kapitalistische Wertesystem." Mehr und mehr heißt die Devise der letzten Jahrzehnte. "Das wird unser Planet, aber auch unser Gesellschaftssystem nicht mehr lange durchhalten", ist sich Gregor sicher. "Aber der Wandel findet bereits statt".

 

Zurück zu einem einfacheren Lebensstil - der Bewusstseinswandel ist bereits im Gange

Nach dem Mittagessen diskutieren Gregor und ich scheinbar unlösbare Probleme unserer Zeit, die wir alle kennen und Basis ihrer schieren Größe nicht verändern können und auch teilweise nicht mehr hören wollen. Stichwort Klimawandel: Dennis Meadow, MIT Professor und Bestseller Autor ("Die Grenzen des Wachstums") sprach kürzlich in einem Zeitungsinterview sogar davon, dass eine nachhaltige Entwicklung gar nicht mehr möglich sei. Auf die Klimawandel-Diskussion will sich Gregor allerdings überhaupt nicht mehr einlassen, den diese "fördere nur die Atomkraft". Um dem Klimawandel entgegenwirken zu können, bedarf es eines "generellen Bewusstseinswandel, wir sollten also nicht die Symptome bekämpfen!"

 

Am Beispiel des eigenen Körpers kann man große Zusammenhänge gut erklären: "Martin, ein Freund von mir und Energetiker, hat fünf Frauen mit verschiedenen Symptome wie Knieschmerzen oder Rückenproblemen untersucht. Im Endeffekt hat sich herausgestellt, dass alle Probleme mit der Leber hatten. Oftmals behandeln Ärzte auch nur die Symptome. Ganz gleich gehen wir mit der Erde um, wir schauen selten auf die Ursachen."

 

Konsumorientiertes Weltbild hinterfragen

"Wir nehmen das heutige Weltbild als gegeben hin, hinterfragen den Kapitalismus nicht. Das ständige Streben nach mehr und mehr kann auf Dauer einfach nicht funktionieren. Und wer sagt eigentlich, dass es keine brauchbaren Alternativen gibt?" Doch wo fängt man an? Gregor hält es da mit Mahatma Gandhi oder auch Yvon Chouinard, dem Gründer der Outdoormarke patagonia: "Um etwas verändern zu können, muss man selbst zur Veränderung werden, man muss bei sich selbst im Kleinen beginnen".

 

Eine kleine Anleitung für einen einfachen Lebensstil - Zeit, Ernährung, Verzicht, Bewegung

Dass man sich aber nicht von heute auf morgen so einfach ändern kann, weiß auch Gregor ganz genau: "Man muss sich die Zeit nehmen bewusst weniger zu konsumieren. Das ist aber gar nicht so einfach, es braucht... Zeit. Wenn ich weniger Geld für Güter ausgebe, die ich eigentlich nicht wirklich benötige, schaffe ich mir Freiräume. Und indem ich mehr Freiraum habe, kann ich mir besser überlegen, wie ich diesen Freiraum sinnvoll nutze. Mir bleibt die Zeit für Fragen wie Welche Freunde habe ich? Woher kommt die Information die ich erhalte? Passt mein Lebensstil?"

 

Ernährung

"Ich versuche möglichst nur Biologisches zu essen, also weg mit all dem Gift. Über eine gesunde Ernährung kann ich meinen Körper gesund halten. Ich betreibe damit Ursachenbekämpfung wenn man es so will."

 

Verzicht aufs Auto

Gregor verzichtet auf ein Auto, will sich aber nicht als genereller Feind der motorisierten Individualmobilität verstanden wissen: "Da ich auf ein Auto verzichte, muss ich auch das Geld dafür nicht verdienen. Und zusätzlich tut das auch der Erde gut. Außerdem muss ich mich nicht ständig mit dem Auto beschäftigen. Wo parke ich es? Wie kann ich verhindern, dass es gestohlen wird? Es gibt Menschen, die ein Auto wirklich benötigen, und das ist auch in Ordnung. Viele müssten aber nicht unbedingt ein eigenes Auto besitzen."

 

Bewegung:

Beim Thema Bewegung schließt sich der Kreis mit oben genannten Punkten: "Durch den Verzicht auf unnötige Dinge habe ich mehr Zeit für Bewegung. Indem ich gehe, löse ich viele Probleme wie den in unserer Gesellschaft weit verbreiteten chronischen Bewegungsmangel automatisch."

 

"Der Bewusstseinswechsel könne nur in ganz kleinen Schritten und mit großer Kraftanstrengung passieren", wiederholt Gregor fast gebetsmühlenartig bevor er das "offizielle" Interviewgespräch mit leuchtenden Augen und einer Erkenntnis abschließt: "Weißt du was das Geilste ist, Andy? Die Freiheiten, die ich habe, erlauben mir besser zu lernen authentisch zu sein. Und das hat bei mir zu einer neuen Lebensfreude geführt. Und weil ich authentisch bin, können Menschen mein wahres Ich erkennen."

 

 

 

Infobox

Gregor Sieböck, Jahrgang 1976, studierte Wirtschafts- und Umweltwissenschaften. Seit 2003 ist er Weltenwanderer und Pilger. Gregors ökologischer Fußabdruck: 1,5 - 1,9 ha


weitere Links

Der Weltenwanderer, Gregors Buch
Globalchange, Gregors Homepage
Gregor in Patagonien. In der Nacht hat der Wind sein Zelt zerstört Gregor in Patagonien. In der Nacht hat der Wind sein Zelt zerstört
Camino Santiago - Auf dem Jakobsweg in Spanien Camino Santiago - Auf dem Jakobsweg in Spanien
Aurakarien Wälder in der Nähe von Pucon (Canireservat), Patagonien Aurakarien Wälder in der Nähe von Pucon (Canireservat), Patagonien

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