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Auf Papua-Neuguinea treffen die alte und neue Surfwelt aufeinander

Interview mit Adam Pesce, Regisseur der Surf Dokumentation Splinters.

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Was war die größte Herausforderung während der Dreharbeiten?

Ich wollte unbedingt der Schönheit und Komplexität in Vanimo gerecht werden. Ich war von der vorherrschenden Dualität erstaunt:  In einem Moment siehst du Kinder in völliger Unschuld und kindlicher Direktheit miteinander spielen, im nächsten Moment wird die Mutter eines dieser Kinder völlig sinnlos verprügelt. Schönheit und Gewalt waren immer miteinander verbunden. Es war schwierig darin und in vielen anderen Kontrasten einen Sinn zu erkennen, weil sie so extrem und oft gleichzeitig abliefen. Es war der reizendste und tragischste Ort an dem ich jemals war.

Oft dachte ich darüber nach, ob ich wohl überhaupt die Ressourcen und die Fähigkeiten dazu hatte, das große Ganze dahinter einzufangen -  zumal es so überwältigend und dicht war. Das letzte, was mir in den Sinn kam war, die Grandiosität dieses Ortes zu verkürzen. Ich war mir nicht sicher, ob ich der richtige für den Job war.

 

In einer Szene im Film schlägt ein Mann eine Frau. Warum  ist diese im Film? Sie wirkt so unnötig.

Obwohl extrem, waren solche Szenen wesentlicher Bestandteil meines Lebens dort. Fast jede Frau, die ich dort traf, hatte Erfahrungen mit häuslicher Gewalt. Sie gerät so außer Kontrolle, dass man sogar öffentlich, von Seiten der Regierung daran erinnert wird, seine Mutter, Frau oder Tochter nicht zu schlagen. Das ist tragisch und völlig absurd.

 

Ich stimme nicht damit überein, dass die Szene unnötig ist. Wenn man die Szene aus dem Kontext herausgerissen sieht, vielleicht.  Aber im Gesamtkontext betrachtet, glaube ich, dass die Szene stark mit dem Leben der Charaktere verbunden ist. Susan wurde selbst geschlagen, genauso wie Lesley. Steve wurde Zeuge von Gewalttatten und insistierte bei Ezekiel und den anderen Jungs im Surf Club immer wieder, Frauen besser zu behandeln.

 

Warum lieben die Menschen in Papua-Neuguinea das Surfen?

Ich denke, sie lieben es genauso wie jeder andere Surfer auf der Welt aus einem Grund: Es macht so verdammt viel Spaß!

 

Was sollen die Menschen von diesem Film mitnehmen? Was macht ihn so wichtig?

Ich möchte dem Publikum einen Weg in eine Welt zeigen, zu der sie normalerweise keinen Zugang haben. Hoffentlich ist der Film eine Einladung zu einer Erfahrung, die so anderswo nicht verfügbar ist. Was man aus dem Film mitnimmt, bleibt jedem einzelnen selbst überlassen.

Offen gesagt ist es ein kaum zugängliches Thema: Surfer aus Papua-Neuguinea.

Splinters - Surf Movie Splinters - Surf Movie
Making of Splinters, Photo: Jason Pini Making of Splinters, Photo: Jason Pini
Photo: Matt Pesce Photo: Matt Pesce

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