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Auf Papua-Neuguinea treffen die alte und neue Surfwelt aufeinander

Interview mit Adam Pesce, Regisseur der Surf Dokumentation Splinters.

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Und natürlich surfte ich viel. Surfen ist nicht nur meine Leidenschaft, es hatte für den Film auch funktionellen Charakter. Im Wasser bekam ich ein Gefühl dafür, wer Talent hatte und Anspruch auf den Titel erheben konnte. An Land, wenn ich Leute traf, gab es zu Beginn diese kulturelle Barriere. In erster Linie Surfer zu sein, und dann erst Papua-Neuguineer oder Amerikaner, gestaltete den Brückenschlag leichter. Es war der richtige Weg, um im Dorf in Einklang mit den Einheimischen zu leben.

 

Steve hat mir Angelus und Ezekiel vorgestellt und von da an konnte ich die beiden talentierten, aber recht unterschiedlichen Jungs kennenlernen. Für Angelus ist das Surfen identitätsstiftend für sein Leben. Ich war von seiner Art, Emotionen freien Lauf zu lassen, völlig hingerissen. Er surft aggressiv und ist auch an Land knallhart. Gerade wegen all seiner Fehler hielt ich ihn für eine extrem charismatische Person.

 

Ezekiel hingegen hatte diesen eleganten, fließenden Stil von dem ich als Surfer wirklich beeindruckt war. Ich muss ehrlich sagen, dass ich manchmal eifersüchtig wurde, weil ich nicht so anmutig surfen konnte.

Er hat wahrlich eine sanfte Seele und ich bewunderte seinen überquellenden Ernst.

 

Ihn dabei zu beobachten, wie er sich durch die Competition navigierte, war krass, weil man ihn dabei beobachten konnte, wie er schrittweise seine Naivität verlor. Beide waren, wie die zentralen Figuren in einem Film, charmant und gutaussehend.

 

Lesley und Susan kennenzulernen war ein wenig schwieriger. Einen Monat lang versuchte ich sie davon zu überzeugen, an dem Film mitzuwirken. Sie zeigten ehrliches Interesse, zogen sich dann aber immer gleich wieder zurück. So ging es eine Weile hin und her. Erst später fand ich heraus, dass die Familie etwas gegen ihre Teilnahme hatte. Beide waren in einer schwierigen Situation, weil die Verwandten den Standpunkt vertraten, die Frauen würden ein soziales Tabu brechen, wenn sie so viel Zeit mit einem weißen Mann verbringen würden.

 

Die beiden waren für mich aufgrund ihrer offenkundigen Geschwisterrivalität und ihren unterschiedlichen Ansichten über das Leben im Dorf besonders interessant. Abgesehen von einigen üblen patriarchalischen Elementen war Susan mit ihrer Rolle als Mutter im Dorf zufrieden. Sie hatte nicht resigniert sondern war eher Stolz darauf. Ich mochte, dass sie an ein traditionelles Familienleben glaubte, ihre Schwester hingegen vertrat einen ganz anderen Standpunkt. Lesley stachelte immer in der einen oder anderen Form herum. Ich hatte Respekt vor ihrem Bedürfnis gegen den Strom zu schwimmen - obwohl sich die Dorfgemeinschaft zunehmend gegen sie wandte.

Splinters - Surf Movie Splinters - Surf Movie
Making of Splinters, Photo: Jason Pini Making of Splinters, Photo: Jason Pini
Photo: Matt Pesce Photo: Matt Pesce

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